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Forschungsstelle Glücksspiel: Staatliche Regulierung ist gescheitert
27.10.2015

Die Glücksspielaufsicht der Länder sei "verfassungswidrig" und "Der Glücksspielmarkt ist in Deutschland ein Eldorado für illegale Anbieter": Deutliche Worte findet Prof. Dr. Tilman Becker, Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim, in einer Pressemitteilung zu der seiner Einschätzung nach desaströsen Neuregulierung des Glückspielmarkts.

Bundesweite Aufsichtsbehörde anstelle von föderalen Glücksspielkollegien

Grundsätzlich sei die "staatliche Regulierung gescheitert", denn es lohne sich für viele Anbieter, die gesetzlichen Vorgaben zu ignorieren: "Der Markt ist völlig unreguliert. Potenzielle Anbieter, die sich an die Gesetze halten wollen, werden vom Markt ferngehalten - und die eindeutig illegalen Angebote von Casinospielen anscheinend durch die Glücksspielaufsicht geduldet." Im Hinblick auf Suchtgefahr eher harmlose Glücksspielformen wie die traditionellen Lotterien unterlägen hohen Auflagen, während Angebote mit wesentlich höherem Suchtpotenzial wie Geldspielgeräte, Casinospiele und Sportwetten den Jugend- und Spielerschutz weitgehend unterliefen.

Prof. Dr. Becker plädiert dafür, die Last der Regulierung des Glücksspielmarktes von den Schultern der Bundesländer zu nehmen. Stattdessen schlägt er die Einrichtung einer deutschlandweit operierenden Glücksspielkommission vor, die als Aufsichtsbehörde über ein effizientes ordnungsrechtliches Instrumentarium und genügend entsprechend geschultes Personal verfügen solle - ähnlich wie anderen Ländern der EU. So ließe sich auch das kürzlich vom Deutschen Lotto und Toto Block favorisierte Payment Blocking realisieren.


Pressemeldung der Universität Hohenheim, Forschungsstelle Glücksspiel (https://www.uni-hohenheim.de/uploads/tx_newspmfe/pm_Gl%C3%BCcksspiel-Urteil_2015-10-20_status_10.pdf)